Zu Hause! Geschafft!

31. Juli 2011

Nach etwas über 4 Monaten habe ich gestern, am 30. Juli 2011, Ariadne sicher vertäut in ihrem “Heimat”-Hafen verlassen. Ein sehr wehmütiger Moment war das…

 

Die letzten Meilen von Stellendam aus habe ich ohne weitere Verzögerungen zurück gelegt. Zunächst ging es über die Maas-Mündung hinweg nach Scheveningen. Dank Anmeldung bei Maas-Entrance klappte das hervorragend und ohne Ausweichmänöver gegenüber der Großschifffahrt.

In Schveningen bekam ich einen hervorragenden Liegeplatz: ganz vorne an der Einfahrt zum Hafenbecken:

Der beste Platz im Hafen - wer hat ihn?

Natürlich mit Nachbarn längsseits, aber wenn alle etwa zur gleichen Zeit abfahren wollen ist das nicht tragisch. Von Scheveningen dann nach Ijmuiden, wo ich ja schon oft gelegen hatte. Auch hier gab es keinerlei Probleme, dafür ein Kompliment. Als ich zwei älteren Herren aus Deutschland beim Anlegen direkt hinter mir half, meinte einer von den beiden bewundernd: “was, mit so nem Riesenkahn sind sie unterwegs?”  Na ja, Ariadne war eben doch zwei Meter länger als ihr Bootchen…

 

Von Ijmuiden aus dann die übliche Prozedur: Motorboot fahren durch Amsterdam. Neu war, dass die Hafenpolizei an Bord kam: Yachtkontrolle! Zum allerersten Mal musste ich in den Niederlanden meinen Segelschein vorzeigen. Und ich hatte gedacht, sie wollten meckern, weil ich meinen Adenauer unterwegs irgendwo verloren hatte…

Zum Glück klappte es mit Brücken und Schleusen hervorragend, so dass ich bis auf 10 Minuten vor Ijmuiden keinerlei Wartezeiten hatte. Ich bin dann bis Enkhuizen durchgefahren und dort ziemlich müde in der Koje verschwunden.

Donnerstag, 27.07.: vor lauter Aufergung war ich schon um 5 Uhr wach. Ein Blick aus dem Niedergang sagte: Nebel! Also habe ich mich wieder hin gelegt und bin dann um 8 Uhr losgefahren gen Heimat.

Die letzte Schleuse!

In Stavoren musste ich auch nur kurz warten und um 11.45 Uhr habe ich Ariadne wieder sicher an ihrem Stammplatz vertäut. Der Hafenmeister kam persönlich, um meine Vorleinen in Empfang zu nehmen.

Über 1400 Meilen liegen nun hinter mir, die ich in 26 Etappen bewältigt habe. Ein netter Schnitt…

Alles in allem bin ich über 2500 Meilen einhand gesegelt, in einem Revier, das manche ehrfürchtig “anspruchsvoll” bezeichnen. Ich habe nichts mit Absicht kaputt gemacht, keinen anderen und auch mich selbst nicht be- oder geschädigt, Ariadne schwimmt immer noch: ich bin zufrieden und auch stolz.

 

Hiermit endet nun mein Blog. Zumindest der über eine Reise, die eine lange Vorgeschichte hatte und mich mein ganzes restliches Leben begleiten wird.

Viele haben mich schon gefragt, ob ich so etwas noch einmal tun wolle. Dazu kann ich nur sagen: das weiß ich im Moment nicht. Vielleicht, wenn die Zeit dafür reif ist…

Man wird sehen. Dann gibt es auch wieder einen Blog – versprochen!

 

Doch noch was vergessen: so sieht meine Reise aus:

Von Gijon ins Ijsselmeer...

Der Kontinent hat mich wieder!

11. Juli 2011

11.07.2011

Nachdem ich nun etwa 4 Wochen auf dieser “nördlichen Insel” (wie die Einwohner der Isle of Wight das nennen) zugebracht habe, bin ich seit gestern wieder auf dem europäischen Festland bzw. in dessen Küstengewässern.

Die Überfahrt über die Straße von Dover war gewohnt stressig: viel Verkehr, der ständig beobachtet werden musste. Zum Glück konnte ich aber stetig Kurs halten. Die Einfahrt nach Calais war dann wieder spannend: Port Control wies mich an, hinter dem Wellenbrecher zu warten, bis mehrere Kanalfähren ein- und ausgelaufen waren und funkte mich dann an, ich solle nun “as quickly as possible” in den Hafen einlaufen. Vor der Marina musste ich dann 5 Stunden warten, bis die Brücke aufgemacht wurde. Ich nutzte die Zeit für ein kleines Schläfchen.

Heute nun  bin ich mit der Flut im Rücken nach Dunkerke gerauscht. Bereits nach 5 Stunden habe ich im Hafen festgemacht. Leider fand ich dann einen Wetterbericht vor, der gar nicht passt: für morgen ist Nordost Stärke 5 angesagt – schlecht. Mittwoch und Donnerstag soll es dann Starkwind Stärke 6 bis 7 geben. Noch schlechter… Ich richte mich darauf ein, dass ich erst am Freitag weiter nach Zeebrugge fahren kann.

 

Es sind nur noch etwa 200 Meilen bis “nach Hause” – nicht mehr lange…

Strand von Dünkirchen bei Windstärke 7.... kein Segelwetter!

17.07.2011

…die sich aber ziehen, die 200 Meilen! ich bin seit Freitag Abend in Zeebrugge und werde bis Dienstag bleiben. Dann steht der letzte große Schlag auf dem Programm: Riochtung Norden nach Holland.Mal sehen, wie weit ich an dem Tag komme. ideal wäre natürlich Ijmuiden, aber ob das klappt???

Das Problem ist die Maas-Mündung vor Rotterdam. Dort herrscht fast noch mehr Verkehr als zwischen Dover und Calais, so dass ich dort nur bei Tag vorbei fahren will. Scheveningen sollte aber drin sein, das hat ja vor zwei Jahren auch schon geklappt. Früh aufstehen ist eben angesagt: 04.00 Uhr ablegen…

 

18-07-2011

Ganz traurige Neuigkeiten: Mein Schiff ist weg!

Keine Panik, nicht Ariadne, sondern ihr Schwesterschiff, Ariadne II. Sie war per Geocaching auf Parallelkurs mit mir unterwegs und hat eine bewegt Reise hinter sich, die man hier nachlesen kann: http://www.geocaching.com/track/details.aspx?tracker=c31by9

Nachdem  das gute Stück doch wieder in den  Niederlanden (und damit immerhin in Wassernähe) war, ist nun nur noch der Anhänger vorhanden, aber das Boot ist leider weg.

Schade.

Aber: ich habe die Regatta gewonnen! Ich bin mit Ariadne weiter gekommen als Ariadne II auf ihrer Reise, auch wenn wir beide das eigentliche Ziel verfehlt haben.

Nachdem nun das Wetter etwas freundlicher wird, komme ich endlich zum Spazieren gehen:

Kein Containerschiff, kein Kreuzfahrtschiff, keine Fähre: ungewohnt im Hafen von Zeebrugge!

 

22.07.2011

Immerhin bin ich schon im richtigen Land! Aber sie zieht sich mächtig, die Rückreise.

Zunächst überraschte mich meine Maschine wieder einmal: 20 Meilen von Zeebrugge entfernt riss der Keilriemen und der von der Kühlwasserpumpe sprang ab. Folglich ging es unter Segeln weiter nach Norden, was keinen Spaß macht bei 1Bft. Gegen Mittag schlief der Wind dann völlig ein und ich drohte, in die Untiefen zu treiben. Folglich war wieder einmal Schlepphilfe nötig…

Das klappte dann auch in mehreren Etappen. An diesem Nachmittag hing ich insgesamt an 4 verschiedenen Schiffen bis ich in der Roompot Marina lag – Rekord!

Nein, das ist keine Klappbrücke...aber 18,2 Meter Durchfahrthöhe reichen zum Glück

Einen Tag Pause gemacht um die Maschine wieder zum Laufen zu bekommen: mein Niederländisch wird immer besser. Aber am Telefon ist es dann doch immer noch schwierig.

Donnerstag (21.07.) ging es dann weiter Richtung Norden. Ich hatte mir ja schon überlegt, durchzufahren bis nach Ijmuiden… Aber wie war das noch mal mit Plänen? Es wurde nichts daraus.

Wind direkt auf der Nase aus Nordost, dazu noch Gezeitenstrom (am Anfang): zäh, zäh, zäh. Die Querung der Maas-Mündung bei Tageslicht rückte in immer weitere Ferne. Folglich beschloss ich, nach Stellendam abzulaufen. Das gelang auch, aber wegen der Schleuse wurde es dann doch spät. Erst gegen 21.00 Uhr war Ariadne fest.

Überraschung unterwegs: der niederländische Zoll kam mit zwei Mann an Bord. Sie rauschten mit einem Schlauchboot heran und stiegen dann zu mir über. Schiffspapiere, Reisepass: das übliche. Wo ich herkomme, wo ich hinwolle, wo ich getankt habe. Einer schaute auch neugierig in alle Schränke. Er hat aber keinen Kommentar zu meinem “Klabautermann-Vorrat” gegeben.. Nach 30 Minuten waren sie wieder weg. Am Abend vor der Goereese-Schleuse wollte der Zoll dann noch einmal kommen, hat dann aber darauf verzichtet als ich von der Kontrolle am Mittag berichtete. Aber ob ich kürzlich in der Karibik gewesen sei???

Nun liege ich hier fest. Denn Regen und ganz, ganz viel Wind aus Nord ist für das Wochenende vorhergesagt. Ich denke, dass ich erst Montag weiter fahren kann. Tja… Ich hatte mich wohl zu früh darauf gefreut, an diesem Wochenende in Warns einzulaufen…

Schade :-(

Aber am nächsten Wochenende müsste es dann doch geschafft sein…

Weiter nach Osten!

23. Juni 2011

23.06.2011

Von Torquay aus bin ioch heute morgen nach 13 Stunden Fahrt und ca. 65 Meilen auf dem Track-Log in Portland Harbour angekommen. Wieder einmal mit viel Verkehr und natuerlich nicht dem Wind, den ich erwartet hatte. Es blies die ganze Nacht  aus West – toll, wenn man genau nach Osten fdahren will. Eine Halse nach der anderen. Aber ich konnte segeln! Die Welle abw’aerts war das GPS zweistellig….

Leider hat mein altes Großsegel frueh morgens kurz nach 02.00 Uhr eine Halse nicht ganz ausgehalten. Bei Windstaerke 6 hoerte ich beim Auffieren der Großschot nur noch ein kurzes kkrrk und dann war es passiert. Weiss auch nicht, weshalb genau.

Zum Glueck gehen in UK die Uhren anders als in Spanien: um 09.30 Uhr Orstszeit war das Grossegel bereits beim Segelmacher und er versprach, bis morgen Abend sein moeglichstes zu tun.

Mal schauen. Und wenn es Montag wird, bin ich immer noch sehr, sehr zufrieden.

Nun ist Zeit fuer ein Nickerchen. In der Nacht war an Schlaf mal wieder nicht zu denken… Der erwartete Verkehr im Kanal, dazu Fischerboote, de auch auf direkten Anruf mit genauer Positionsangabe nicht reagieren

Mit dem Wissen, nun bereits etwa zwei Drittel der Rueckreise hinter mir zu haben, kann ich auch getrost eine Pause einlegen. (Obwohl, die Pause in Torquay war lang genug eigentlich. Zum Schlusas wollte ich dort nur noch weg…)

Die Marina hier in Portland begrüßte mich nut unerwartetem Service: um 06.00 Uhr wartete der Hafenmeister am Fingersteg auf mich und nahm meine Leinen in Empfang – klasse! Er hatte auch daran gedacht, einen Platz mir auflandigem Wind zu wählen, so dass das Anlegen überhaupt keine Mühe machte.

Nun warte ich hier, bis mein Großsegel wieder für den nächsten Schlag bereit ist. Wie weit der mich führen wird, ist noch ungewiss. Ich spiele mit dem Gedanken, die Isle of Wihgt an Backbord zu lassen und direkt bis Brighton durchzufahren… Es sind ja nur 100 Meilen bis dort…

24.06.2011, 16.45 Uhr.

You won`t believe it!

Komme gerade vom Segelmacher: Segel ist fertig und wird morgen zur Marina geliefert. Klasse! Fuer den Fall dass noch jemand solch einen Service benoetigt:

Moatt Sails

Wenn das Wetter haelt, will ich morgen einen Ausflug zur Suedspitze der Halbinsel machen. (Beine vertreten, es sind ein paar Meilen bis dorthin…)

26.06.2011

Ich bin gespannt, wie lange ich noch hier in Portland Marina sein werde. Für Dienstag ist angekündigt, dass der Wind auf Ost drehen soll. Das wäre natürlich Mist – wenn es denn eintrifft.

Heute habe  ich mich auf den Weg zur Südspitze der Halbinsel gemacht, trotz Nebels. Unterwegs traf ich viele interessante Leute: zunächst zwei Mountainbiker, von denen der eine meinte, dass da, wo ich herkomme, wohl keine großen Berge seien. Er hielt mich für einen Holländer…

Dann die zwei älteren Herren in der National Coastwatch-Station, die mir haarklein erzählten, was sie so machen und mit welcher Ausrüstung.

Bilder gab es auch:

Blick "von unten" in Richtung Portland Bill

Portland Lighthouse: 43 Meter über dem Meer, Fl (4) 20s + F.R, Horn (1) 30s

Blick Nach Norden, im Hintergrund Portland Harbour

Und von derselben Stelle aus nach Süden sieht es so aus:

Man sieht, dass man nichts sieht. Und das Nebelhorn von Portland Lighthouse kann man halt nur hören...

Aber auch die beiden Coastwatcher meinten, dass solcher Nebel ungewöhnlich sei. Ich bin froh, nicht auf See zu sein. Denn Ausguck ist nahezu unmöglich, obwohl man den ja immer halten soll:

das Schild allein sagt ja noch nicht viel aus...

Aber wenn man sieht, wie groß der Prügel in Wirklichkeit ist, kann einem schon Angst und Bange werden. Da hätte es auch bei Ariadne sicher eine Beule im Blechkleid gegeben!

6 Meter lang, 1 Meter Durchmesser...

28.06.2011

Noch ein Tag in Portland – ungeplant, aber sicher. Zum einen blaest es aus Ost, zum anderen macht die Royal Navy Schiessuebungen in der Bucht. Alles war vorbereeitet zum Ablegen, aber mein Wetterradar (genauer mein Bauch) riet mir, noch einmal im Hafennbuero vorbei zu schauen. Und siehe da: es zeigte sich, dass morgen der bessere Tag sei, um nach Brighton zu fahren.

07.07.2011

Und wieder einmal alles ganz anders als geplant.

Ich bin zwar puenktlich aus Portland abgefahren, habe mich aber unterwegs entschlossen, doch nicht auf einen Rutsch bis Brighton zu segeln. Das Halsen zwischen der Isle of Wight und der Hauptschifffahrtsroute in der Nacht war mir zu unsicher. Folglich bin ich doch in den Solent gefahren und habe in Yarmouth und Portsmouth Station gemacht. Genau wie auf der Hinfahrt letztes Jahr.

Von Portsmouth aus ging es dann ueber Brighton und Eastbourne nach Dover, wo ich aus windigen Gruenden wieder ein paar Tage Aufenthalt habe. Zeit, um die Kreidefelsen zu besuchen!

Ich denke, dass ich am Sonntag (10.07.) mich in Richtung Festland auf den Weg machen kann. Dort beginnt dann ein neuer Artikel…

 

 

Ariadne ist richtig schlank von oben.... Granville Dock in Dover

Dover Castle von unten...

... und der Blick von oben über den Hafen (bei ganz viel Wind!)

2000 Jahre alter Leuchtturm von den Römern (später als Kirchturm verwendet)

Reisender, kommst du nach Dover: nimm dir Zeit für Dover Castle. Ich habe die happigen 16 Pfund Eintritt nicht bereut und über 4 Stunden in der riesigen Anlage zugebracht. Deeply impressed!

Wieder in bekannten Gewässern…

9. Juni 2011

Dies ist der zweite Teil meiner Rückfahrt von Gijon in Spanien nach Warns in den Niederlanden.

Der erste Teil findet sich hier (für alle, die mit meiner etwas unkonventionellen Struktur ihre Probleme hatten…)

http://morten.be-netzien.de/?page_id=460

Nun aber wieder zur Geschichte:

Pünktlich um 10.00 Uhr morgens habe ich den Hafen von Concarneau verlassen. Vor mir lagen etwa 200 Seemeilen, das Ziel war Falmouth. Kurz: es war ein hartes Stück Arbeit. Kühl, zeitweise Regen, Wind zwischen Stärke 1 und 7 aus West bis Nordwest, Wellenhöhe zwischen 1und 3 Metern. Wer zwischen den Worten lesen kann, weiß, welche Verhältnisse dann an Bord eines Segelschiffes herrschen: ruppig, laut, ungemütlich, ständige Arbeit an den Segeln (einreffen, ausreffen, wieder einreffen, …) An Schlaf war in der ersten Nacht kaum zu denken.

Außerdem herrschte natürlich viel Verkehr in dieser Ecke des Atlantiks. Ein Schiff, das ich in der Nacht zugegeben etwa knapp passierte (es war offensichtlich bei der Arbeit: rot – weiß  - rot: Malocherboot!) richtete denn auch prompt seinen Flutlichtscheinwerfer auf mich. Sie haben mich aber nicht über Funk angerufen. Folglich bin ich einfach weiter gesegelt.

Ach ja: das Gute war, dass ich bis auf eine kurze Pasage an der Ile du Sein die gesamte Strecke unter Segeln zurücklegen konnte. Am Ende waren es dann ca. 220 Seemeilen, für die ich insgesamt 59 Stunden benötigte. Am Mittwoch Abend habe ich der Pendennis Marina fest gemacht. Der Hafenmeister erinnerte sich noch an mich!

Hier das einzige Bild von der Überfahrt:

Im Dunst: Ile de Ouessant (oder Ushant bei den Briten)

Im Dunst: Ile de Ouessant (oder Ushant bei den Briten)

Man sieht: es war kein strahlender Sonnenschein. Dies war das letzte Mal, dass ich französisches Gebiet sah.  Nun habe ich eine andere Sprache, anderes Geld, eine andere Zeit – und Zeit, ein paar Tage Pause zu machen und mich auszuruhen für die nächsten Schläge.

 

Ach ja: man weiß ja nie, welche guten Dinge in Rückschlägen stecken können: wäre ich wie geplant am Wochenende hier eingelaufen, hätte ich keinen Platz bekommen! Am letzten Wochenende startete eine Regatta hier in Falmouth: To the Azores and back: http://azab2011.co.uk/

09.06.2011

Ich kann schon wieder arbeiten: Harry wird rasiert:

Es war doch ein wenig zu viel Leben an Harry...

Bildersuchrätsel: wer entdeckt das neue Paar Bootsschuhe?

Das alte Paar habe ich 2009 in Helgoland gekauft. Das war damals der erste richtig große Törn nach Dänemark und zurück. Alle, die dabei waren, können sich sicherlich an so manches Abenteuer erinnern…

16.06.11

Wieder ein Hafen weiter – nein, nicht nur einer! Ich bin von Falmouth aus direkt bis Torquay durchgefahren, wieder einmal eine Nacht um die Ohren gehauen…

Plymouth, Salcombe undDartmouth, die ich auf der HInfahrt besucht habe, habe ich ausgelassen.

Eigentlich wollte ich heute Abend von hier aus nach Portland starten, aber ein Blick in den Wetterbericht hat mir dringed abgeraten. Ich könnte zwar heute Nacht nach Portland segeln, aber wäre dann dort das ganze Wochenende eingeweht: Stärke 8 bis 9 ist angekündigt. Da es in Portland außer der Marina nichts gibt weit und breit, bedeutet das, dass ich wohl bis mindestens Montag Abend noch in Torquay bleiben werde. Hier kann ich einkaufen, shoppen (ich habe eine neue Sonnenbrille als Ersatz für die in Lorient versenkte!), essen gehen usw.

Hier in Torquay gibt es offensichtlich starke Frauen:

… und gut bezahlte Lehrer:

Die Stegnachbarin von Ariadne

Leider ist der Besitzer nicht anwesend – das  hätte sicher ein interessantes Gespräch werden können…

Alles Planen hilft nichts…

15. November 2010

… wenn Bedingungen eintreten, die man nicht vorhersehen kann. Dann hilft nur, neue Pläne zu machen.

Kurz gesagt: ich habe meine Reise unterbrochen. Die Biskaya ist im Spätherbst bzw. Frühwinter kein geeignetes Segelrevier. Ariadne liegt sicher in Gijon. Nach 12 Wochen an Bord bin ich nun erst einmal nach Hause gefahren, um in Ruhe zu überlegen, wie es weiter gehen soll.

Allen, die mich in den letzten Wochen direkt oder indirekt mit Hilfe und Gedanken unterstützt haben, möchte ich herzlichen Dank sagen.

Hier nun in Kürze ein Überblick, wie es dazu kam:
27.09.2010 (Montag)
Ich lege pünktlich um 08.15 Uhr in Falmouth ab – die Maschine hält! Leider ist zu Beginn wenig Wind, aber um 11.30 Uhr kann Harry das Ruder übernehmen: ich laufe mit der Windsteuerung 5 Knoten über Grund: so soll es sein. Die Nacht verläuft ruhig: einmal pro Stunde strecke ich meinen Kopf aus dem Niedergang, kontrolliere Segel, Steuerung und Kurs: keine besonderen Vorkommnisse.

28.09.2010 (Dienstag)
Um 08.30 Uhr sehe ich plötzlich, wie das Vorliek der Genua Falten schlägt. Eine Kontrolle auf dem Vorschiff bestätigt meinen Verdacht: das Drahtfall, mit dem die Genua gesetzt wird, ist gerissen. Diesen Schaden kann ich nicht mit Bordmitteln beheben. Ich nehme folglich die Genua ganz weg, bändsele sie an der Reling fest und setze den Sturmklüver. Leider ist mit dieser Besegelung nun sowohl meine Geschwindigkeit über Grund als auch die mögliche Höhe zum Wind erheblich beeinträchtigt.

29.09.2010 (Mittwoch)
Ein wunderschöner Segeltag. Mit etwa 3 Knoten geht es Richtung La Coruña.

Es wird Nacht...

30.09.2010 (Donnerstag)
Am frühen Morgen: kein Wind, nachdem es in der Nacht mit bis zu 30 Knoten geweht hatte. Gegen Mittag frischt es auf, ich reffe das Großsegel erneut. Da es weiter aus Südwest bläst, beschließe ich, ein Ersatzziel auszuwählen: Die Marina in Vivero liegt etwas östlich von Coruña.
Gegen Abend nimmt der Wind weiter zu auf Stärke 7.

01.10.2010 (Freitag)
Um 08.30 Uhr stelle ich mit Schrecken fest, dass die an der Reling festgebundene Genua außenbords hängt. Leider so blöd, dass sich ein Wassersack gebildet hat, der alle meine Bemühungen, das Segel über die Reling zu ziehen, verhindert. Nach 3 Stunden vergeblicher Plage werfe ich das Segel los – es verschwindet achteraus im Atlantik. Es weht immer noch mit Stärke 7 aus Südwest. Leider gibt auch Harry seinen Geist auf: die Übertragungsstange zwischen Windfahne und Ruder ist gebrochen. Mist. Ich löse das Problem, indem ich die Pinne festbändsele. Am Abend wird es etwas ruhiger: Zeit, um etwas zu essen. Durch die Plackerei auf dem Vorschiff ist leider Wasser in meine Kabine eingedrungen. Vermutlich habe ich beim Werkeln den Lukenriegel versehentlich geöffnet…

Leine an der Pinne: Notersatz für Harry. Funzt aber ganz gut...

02.10.2010 (Samstag)
Heute wollte ich eigentlich in Coruña einlaufen… Es sind aber noch über 150 Seemeilen…
Ab dem Nachmittag nimmt der Wind zu. Es regnet leicht.

03.10.2010 (Sonntag)
Um 14.00 Uhr hisse ich die spanische Gastlandflagge. Gegen Abend nimmt der Wind weiter zu, bis auf 55 Knoten. Um 21.00 Uhr beschließe ich, nicht weiter in Richtung Küste zu segeln, sondern nach Westen abzulaufen, da die Bedingungen immer schlechter werden. Die dazu notwendige Wende misslingt leider – die Baumnock verhakt sich hinter dem Backstag – Sch…
Bis ich das klariert hatte, killten die Segel, was beide nicht überstanden haben. Sowohl das Groß- als auch das Vorsegel sind mitten durchgerissen. Da ich nun ohne Besegelung treibe und mein Sprit nicht bis zur Küste reicht, setze ich eine PAN-PAN-Meldung ab.
Mein Funkspruch wird sofort von MS SÜDERAU beantwortet. Sie informieren über ihr Satellitentelefon die spanische Küstenwache und kommen noch in der Nacht in meine Nähe. Originalton des Funkers: “we are about 12 miles from you. But it might take two hours ore more to reach you. There are bad conditions.” Wohl wahr: Windstärke 11, Wellenhöhe über 5 Meter…
Es gibt weitere Schäden zu beklagen: Auch der Windgenerator verliert zwei Flügel und sein Leitwerk, was zunächst fürchterliche Vibrationen zur Folge hat, aber nach einiger Zeit steht er dann doch still.

Die SÜDERAU: wichtige moralische Unterstützung und Relaissation zur Küstenwache

04.10.2010 (Montag)
Um 03.00 Uhr sichte ich die MS Süderau etwa 1 Seemeile entfernt. Auf Bitte der spanischen Küstenwache bleibt das Schiff in meiner Nähe, bis der Schlepper eintrifft.
Den Vormittag über beseitige ich das Chaos an Deck und warte auf den Schlepper.

Suchbild: wer findet den Schlepper, der in SIcht ist?

Um 13.00 Uhr ist der Schlepper in Sicht – nun wird es abenteuerlich: sie schießen eine Hilfsleine zu Ariadne, die ich beim zweiten Versuch auch aufnehmen kann. Daran kann ich dann die Schlepptrosse an Deck zerren: etwa 7 cm im Durchmesser. Es dauert über eine Stunde, bis ich die Leine so am Mast befestigt habe, dass ich mich traue, dem Schlepper das OK zu geben. Er zieht dann auch so stark an, dass prompt die Leine aus der Führung des Bugbeschlags springt und meinen Bugkorb verbiegt. Nach Anruf über Funk reduziert er die Schleppgeschwindigkeit deutlich.
Ariadne rollt fürchterlich in der aufgewühlten See. An Schlaf ist nicht zu denken.

Wie näht man eine Schlepptrosse an einen Mast? Nicht ganz einfache Leinenübung...

05.10.2010 (Dienstag)
Gegen 08.00 Uhr sichte ich die Lichter von Gijon. In der Hafeneinfahrt nimmt mich der Schlepper längsseits – keine gute Idee, wie sich herausstellen sollte: in der kabbeligen See prallen beide Schiffe mehrfach aneinander: meine Scheuerleiste an Backbord bricht, eine Relingsstütze ist aus dem Deck gerissen.

Tja: Ariadne ist zwar stabil, aber gegen ALONSO DE CHAVEZ eben doch chancenlos...

Irgendwas gibt dann eben doch nach...

Nach dem Austausch aller Formalitäten (Schiffsdaten, Versicherungsnachweise, …) darf ich aus dem Industriehafen mit eigener Kraft in den Sportboothafen von Gijon laufen. Dabei stelle ich fest, dass mein Fluxgate-Kompass eine Fehlweisung von +35 Grad aufweist – Mist! Um 12.00 Uhr Mittags liegt Ariadne sicher vertäut im Puerto Deportivo de Gijon. Nach über 8 Tagen auf See und etwa 500 Seemeilen zum ersten Mal wieder festen Boden unter den Füßen. Die wichtigsten Dinge werden zuerst erledigt: eine warme Dusche, ein warmes Mittagessen. Danach warte ich dann auf Reinhard und Klaus, die mit dem Bus von La Coruña aus zu mir kommen werden.

Es geht an die Arbeit! Reling und Bugkorb sind bereits demontiert.

Winke, winke!

27. März 2010

Dies ist die Geschichte eines alten, alten Traumes, der nun in diesem Jahr 2010 verwirklicht wird. Seinen Anfang nahm er (wer weiß?) vielleicht bei meinem Urgroßvater, der vor langer Zeit Kapitän auf einem Liniendampfer zwischen Rügen und Stralsund war.
Gut, das war deutlich vor meiner Zeit.

Nicht so lange her ist ein Urlaub auf Mallorca, während dessen der Wunsch aufkam, einmal mit dem Schiff um eben diese Insel segeln zu können.

Zwei Jahre später (1999) war es dann so weit: Ich war stolzer Besitzer des „Sportbootführerscheins Binnen für Segel und Motor“ wie das gute Stück auf Amtsdeutschisch heißt. Drei weitere Jahre wurden investiert (und dabei kräftig gesegelt, vor allem auf Chartertörns im Mittelmeer) und weitere Segelscheine folgten. Der letzte Chartertörn verlief dann im Herbst 2005 genau um Mallorca herum: der erste Traum war verwirklicht. Es war einfacher, als ich ursprünglich dachte.

Seit Juni 2005 bin ich Besitzer von Ariadne. Sie soll mich bei der Verwirklichung dieses Traums begleiten, mich behüten und beschützen. Kurz: mein Zuhause sein. Dass sie das kann, habe ich vor allem während der letzten beiden Jahre auf ausgedehnten Törns in der Nordsee und im Ärmelkanal erfahren dürfen.

Im August 2010 geht es hinaus auf große Fahrt. Etliche Tausend Seemeilen werden hoffentlich in meinem Kielwasser liegen, bis ich wieder zurück bin.

Einen Plan zu haben, ist immer gut...

Dieser Blog ist für diejenigen gedacht, die zurück bleiben müssen. Sie sollen aus der Ferne teilhaben können an meinen Erlebnissen. Ich werde mich bemühen, euch alle auf dem Laufenden zu halten, habt aber bitte Verständnis, wenn das nicht täglich erfolgt. Ich bin auf einem Segelschiff auf dem Atlantik! Und nicht alle Häfen bieten Strom und WLAN frei Haus – ähh Schiff.